Ungers Archiv für Archiktekturwissenschaften [Kerpen]

am 22.12.2017

Bericht: Marianne Böhne

Bei einer Führung durch Alt-Müngersdorf in diesem Frühjahr wurden wir, die Gruppe "Köln erkunden", auf das Haus des Architekten O.M. Ungers aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass dort auch Führungen stattfinden.

Durch Recherche im Internet erfuhr ich über die Einzigartigkeit dieses Gebäudes. So fanden sich weitere 15 Interessierte, die am 22. November an einer "Hausführung" teilnahmen. Sophia Ungers führte uns in ca. 1 Stunde durch das bauliche Ensemble und vermittelte ein erweitertes Verständnis für Architektur.

1959 errichtete der Architekt Ungers in der Belvederestr. 60 in Köln-Müngersdorf ein Wohnhaus für sich und seine Familie. Das Haus, welches auch als Architekturbüro genutzt wurde, beherbergte auch zwei Einliegerwohnungen.

Das Gebäude schließt eine bestehende Zeile von Reihenhäusern ab, deren Baumaterial, Bautiefe und Giebel es zwar übernahm, aber in ein völlig eigenständiges und äußerst plastisches Raumgebilde aufteilt. Nach außen präsentiert es sich als Verschachtelung aus Quadern und Kuben. Der Abwechslungsreichtum der äußeren Form spiegelt die Vielfalt im Innern: unterschiedliche Deckenhöhen, weite und enge, geschlossene und offene Räume wechseln einander ebenso ab wie die Vielzahl der Fensterformen.

Über einem Zeitraum von rund drei Jahrzehnten fanden immer wieder räumliche und funktionale Umwandlungen statt. 1989 erweiterte er das Gebäude im ehemaligen Garten um einen Bibliothekskubus für die herausragende Sammlung seiner architektonischen Fachliteratur, welche heute zu den bedeutendsten privaten Fachbüchereien zählt. Für Unger war das Handwerk von großer Bedeutung für die Arbeit des Architekten.

Im Untergeschoss hat er aus Respekt vor dem Handwerk eine Werkstatt errichten lassen, in der Modelle aus hochwertigem Alabastagips entstanden, z.B. der Parthenon in Athen und das Pantheon in Rom, aber auch eigene Architekturentwürfe. Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln wurde nach seinen Entwürfen gebaut.

In der Bibliothek stehen mehr als 12.000 Bände, darunter auch zahlreiche Erstausgaben. Hier wird mehr als 500 Jahre Architekturgeschichte dokumentiert. Von der Renaissance über Barock, Klassizismus bis zur Moderne.

Eine kostbare Ausgabe ist die von Albrecht Dürer "Underweysung der Messung, mit dem Zirckel und richtscheyt, in Linien, Ebenen und ganßen Coporen"...Was so viel wie "eine Unterweisung in perspektivischem Malen und Zeichnen" bedeutet, das man bis dato noch nicht beherrschte.

Das Mobiliar, ob im Wohnraum oder Küche, ist größtenteils in schwarz und in der rechteckigen Form des Kubus oder Quaders gehalten.

Ein äußerst beeindruckendes Gebäude, aber zum Wohnen doch etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem kann ich eine Besichtigung nur weiter empfehlen. Heute werden Häuser und Sammlungen von einer Stiftung verwaltet.

Sein zweites Wohnhaus, das "Haus ohne Eigenschaften", schauten wir uns in Eigenregie noch von außen an. Denn bis zur nächsten kulturellen Veranstaltung an diesem Tag, der "Esskultur", blieb noch etwas Zeit.

 

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